Ausschnitte aus dem Reisetagebuch

1.10.2008 [Isa]

Nachdem - kurz vor dem gemeinsamen Treffen in der Schmiede - auch noch die allerletzten Kleinigkeiten in die Koffer gepackt worden waren und auch das Gewicht einigermaßen stimmte (immerhin hatte Hartmut ganze 33kg von den erlaubten 20kg), hatten wir zusammen mit einigen Familienangehörigen in der Schmiede einen wunderschönen gemeinsamen Abschied.

Mit dem Schmiedebus und einem weiteren Auto ging es dann nach den ersten Abschieden bei verregnetem Himmel nach Frankfurt zum Flughafen.
Beim Einchecken gab es keine weiteren Probleme, selbst die Krücken von Almuth wurden direkt angenommen.
Das letzte gemeinsame Abendessen gab es dann im allseits beliebten Schnell-Restaurant McDonalds und danach hieß es endgültig Abschied nehmen von Freunden und Familie.
Jacken und Metallgegenstände wurden ausgezogen, Hartmut wurde wegen eines Fishermen's Friend Papierchens durchsucht, Jenny musste ihre Sonnencreme abgeben und Micha wurde sogar abgeführt, da das Personal sein Kohlenhydrate - Weltraumfutter äußerst verdächtig fand.
Jetzt sitzen wir im Flugzeug, spielen wie die kleinen Kinder mit den Sitzmonitoren, hören arabische Musik und warten gespannt auf den Abflug.

Und so beginnt unsere 3-wöchige Reise nach Afrika, Tansania!


2.10.2008 - Ankunft in Entebbe [Jenny]

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht im Flugzeug sind wir ohne Probleme um halb sieben morgens am Flughafen in Dubai angekommen. Als wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind, kam uns eine regelrechte Hitzewelle entgegen, da in Dubai schon 20°C herrschten.
Nach ca. 2 Stunden Aufenthalt in Dubai sind wir dann weitergeflogen - natürlich nicht ohne uns vorher zu verlaufen, weil wir die Schilder nicht richtig gelesen haben, obwohl es englische Übersetzungen gab.
Nach dem Abflug gab es erst einmal eine hervorragende Aussicht auf die Gegend rund um Dubai. Die Gegend besteht eigentlich nur aus Wüste, wo hin und wieder eine Häusersiedlung zu erkennen ist.
Während dem Flug wurde noch ein kleiner Stopp in Addis Abeba eingelegt. Die Landung war ein wenig hart, da es beim Aufsetzen der Räder ziemlich rumste.
Am Flughafen von Entebbe wurden wir von Morgan abgeholt und nach kurzer Fahrt waren wir in unserer Schlafunterkunft angekommen. Wir haben Entebbe ein wenig erkundet und auch die schlichte aber trotzdem hübsche Kirche besichtigt.
Bei der Ansprache auf die Moskitonetze fiel mir auf, dass ich meins vergessen habe, weswegen ich jetzt noch eins kaufen muss.
So, jetzt ist jeder mit sich selbst beschäftigt und wartet auf das Abendessen.

 

 


3.10.2008 - Von Uganda nach Ruhija - Tansania [Almuth]

Am Morgen wurden wir um ca. 6.30 Uhr geweckt von den zum Aufbruch rüstenden Trucks. Wir hatten alle gut geschlafen, obwohl in der Nacht ein schweres Gewitter war mit sintflutartigem Regen und nachdem wir am Abend vorher zwei Stunden auf unser Essen warteten (es schmeckte aber sehr gut). Um 7 Uhr sollten wir abfahren, ohne Frühstück. Das bekamen wir 2 ½ Stunden später im Restaurant am Äquator (wiederum sehr wohlschmeckend.)
Dass wir überhaupt essen konnten, war schon erstaunlich. Denn die Fahrt durch Entebbe war nur schrecklich. Wir wurden immer stiller. Denn diesen Dreck, die zerfallenen Hütten, in denen die Menschen leben, der Matsch nach dem Regen, die vielen Menschen und die Armut mit eigenen Augen zu sehen, ist etwas ganz anderes, als Bilder im Fernsehen. Ähnliche Bilder boten sich auf den Dörfern, die wir durchfuhren, nur nicht so massiv.
Positiv war allerdings zu sehen, wie die Menschen fertig werden mit der Situation. Kaum ein Gepäckträger der Fahrradfahrenden war frei. Entweder ein bis zwei Personen saßen auf dem Sozius oder zum Teil riesengroße Lasten wurden darauf befördert. Für mich war es ein besonders hoffnungsvolles Bild, dass die Kinder in Schuluniformen unterwegs waren, bis hin zu ca. 17/18 - jährigen. Folgerung: Bildung wird gefördert. Unbegreiflich, wie die so schick aus dem Zuhause kamen, auch die Frauen.
Am Äquator, der mit einem Strich gekennzeichnet quer über die Straße verlief, wurde uns ein Experiment demonstriert: In einer Schüssel auf unserer Seite drehte sich das Wasser rechts herum, in der auf der anderen Seite links herum. Ob das wissenschaftlich bewiesen ist?
Weiter ging's dann durch landschaftlich schöne Gegend, auch relativ oft genutzt durch Rinderherden und Bananenplantagen (wem die wohl gehören?) auf guter Straße.
Unser Fahrer verschaffte sich oft freie Fahrt durch Hupen. Sein Name: Morgan.
Überall waren Menschen unterwegs, mit und ohne Ballast. Kinder auf dem Schulweg und an den Seiten immer wieder Stände mit Kochbananen, Obst, Süßkartoffeln und allem, was sich verkaufen lässt.
An der Grenze zu Tansania erwartete uns William mit seinem Bruder. Wir durften auf jeder Seite die obligatorischen Aus- und Einreisezettel ausfüllen. Natürlich nicht ohne dass wir jeweils etwas vergessen hatten. Der Hinweis kam freundlich.
Weiter ging es um ca. 13Uhr nach Bukoba. Uns fiel auf: Sehr schöne Landschaft, teilweise recht starke Höhenunterschiede, weniger besiedelt, die Dörfer nicht viel anders. Ca. 1 ½ Stunden später dann Bukoba: Change von Dollar in tansanische Schilling. Kauf von Mückennetz für Jenny. Schnell. Auf Hilrichs Wunsch schon mal was essen, im Haus der ELCT, sehr gut, mit Blick auf den Viktoriasee und eine trainierende Militärgruppe.
Dann endlich, auf zum Schluss sehr holprigen Wegen, nach Ruhija.
Er war sehr überwältigend, der Empfang: Das machte sogar Hilrich vergessen, dass er auf dem letzten Stück umkehren wollte.
Niwagila spielte Fußball und war der Erste! Diese Freude! Dann kamen alle anderen: Bibelschüler/innen, singend und tanzend mit Blumenkränzen für uns. Dazu die Kinder des Kindergartens. Karibu - Willkommen. Jede( r) wollte uns begrüßen. Wir zogen singend und tanzend bis zur Kirche. Dort gab es noch mal einen extra Trommelwirbel und Tanzeinlage, wobei zur allgemeinen Freude oder Begeisterung Hilrich besonders mitmachte.
Danach war die allgemeine, offizielle Begrüßung in der Kirche mit Worten vom Bibelschulleiter Joas Kahesi und Jonathan Hamurungi (Principal von allem).
Danach wurden uns die Quartiere (sehr gut) zugewiesen. Mit Bad und Toilette für die Nacht (am Abend - dunkel, schon verstopft) und Plumpsklo für den Tag.
Am Abend gab es noch eine Andacht auf Suaheli, danach gutes Abendessen.
Morgen geht's weiter.
Nachtrag: Isa machte die holprige Fahrt Spassss.
Die Krücken von Doris haben wir schon übergeben.


4.10.08 Samstag [Hilrich]

Es ist bereits 18Uhr. Dieser Tag bleibt unvergesslich. Wir sind jetzt richtig angekommen. Die Damen unter uns fanden Zeit, ihre Koffer auszupacken. Die Moskitonetze verwandeln unsere Betten zu einem Himmelbett. Wir lernen immer mehr mit dem Wasserverbrauch sparsam umzugehen; das Wasser aus dem Waschbecken wird zur Toilettenspülung benutzt.
Nach dem Frühstück wurden wir eingeladen, die Einrichtung und das Anwesen zu besichtigen. Die Häuser sind fast alle im gleichen Stil erbaut - mit einer Küche und Schlafräumen. Die Kirche ist auf der Anhöhe errichtet - sie ist gleichzeitig die Kirche für das Dorf.
Die Wohnhäuser, Schul- und Unterrichtsgebäude sind wie ein Ring um die Kirche herum angeordnet.
Auf dem Gelände werden Bananen, Ananas, Zitronen angebaut.
Am Nachmittag sind wir zu Gast in der Musikschule. 16 Studenten - auch aus dem Ausland - erhalten Unterricht an Trommeln, Gitarren und Blasinstrumenten. Während wir von rhythmischen Songs begeistert werden, ziehen uns fröhliche Kindergesänge von außerhalb in den Bann. Wir erfahren, dass in dieser Woche eine Kinderwoche stattfand und nun die Lieder für den Abschlussgottesdienst eingeübt werden.
Frauen aus dem Dorf sind auf den Berg gekommen und kehren mit selbstgebastelten Besen aus Reisern die Wege um die Kirche. Die Instandsetzung, das Säubern der Kirche geschieht ehrenamtlich.
Von leitender Seite erfahren wir, dass es um die Bibelschule nicht so rosig aussieht. Die Familien, die die Schüler finanzieren, haben wegen steigenden Lebenskosten und zunehmender Arbeitslosigkeit immer weniger Geld zur Verfügung. Außerdem verliert die Kirche und ehrenamtliche Tätigkeit an Ansehen und öffentlicher Anerkennung.
Auf dem Grundstück werden Ziegen, Kälber, eine Kuh und Hühner gehalten.
Wir sind beeindruckt, dass der einfache Lebensstil mit Freude und Gelassenheit bewältigt wird.
Wir sind gespannt auf den Sonntag.


5.10.08 Sonntag [Hartmut]

Heute dürfen wir etwas länger schlafen, da das Frühstück erst um 8Uhr beginnt.
Um 6.30Uhr bin ich im Bad. Da es kein fließendes Wasser gibt, sind wir auf ein Plastikfass angewiesen. Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Wasser man das Gefühl von Frische und Sauberkeit erzeugen kann, zumindest für den Augenblick.
Christian, der gute Geist des Hauses, bringt sogar noch heißes Wasser, also steht dem Rasieren nichts mehr im Wege.
Um 8Uhr treffen wir uns zum Frühstück.
Isa und Jenny erscheinen sogar zur Feier des (Sonn) Tages im Rock, verbitten sich aber jeden abfälligen Kommentar.
Zum Frühstück gibt's Weißbrot, Eier, Margarine, Marmelade, Tee, Kaffee und sogar Sandkuchen - allen schmeckt es wie immer sehr gut.
Nun haben wir Zeit, uns für den Gottesdienst vorzubereiten. Michael versucht verzweifelt, seine tägliche SMS durch die unendlichen Weiten Tansanias bis zu seiner Liebsten zu schicken. Wahrscheinlich endet die Nachricht aber da, wo sein Futter (siehe 1. Tag) herkommt, im Weltraum.
Isa und Jenny bringen ihren Zimmergenossinnen die wichtigsten deutschen Worte bei. Es ist schon lustig, wenn dir eine Afrikanerin auf die Frage „Wie geht's?" ein tiefes „Geht so." entgegen schmettert.
Hilrich kommt voll aufgebretzelt mit Hemd, Schlips und Sakko aus dem Zimmer, während Almuth den Kochfrauen zuschaut, wie sie auf offenen Feuerstellen mit paddelartigen Holzlöffeln in riesigen Reis- und Bohnentöpfen herumrühren.
Um 10Uhr beginnt der Sonntagsgottesdienst.
Da eine Art „Kinderbibelwoche" zu Ende geht, ist dies ein besonderer Gottesdienst. In einer langen Reihe (Kinder zuerst) betreten alle singend die Kirche. Die Kinder (ca. 80-100) sitzen vor dem Altar auf dem Boden, der Rest der Gemeinde (ca. 150-200) auf den Bänken. Die Kinder und der Chor der Bibelschüler bestreiten mit einigen Liedern das musikalische Programm. Eine Pfarrerin und ein Pfarrer aus der Umgebung leiten den Gottesdienst (Sie nehmen an einem Seminar über Christen und Moslems teil.).
Die Predigt (Dauer ca. 45min) wird in Kiswahili gehalten, Joas übersetzt uns ein wenig. Es geht um den Bibeltext, in dem Maria und Joseph vor Herodes fliehen müssen. Es folgen einige Ausführungen, um zu verdeutlichen, wie wichtig Kinder für die Familie sind. Es ist erstaunlich, wie brav sie die ganze Zeit am Altar sitzen, obwohl der Gottesdienst über 2 Stunden dauert und sie durch keine Elemente besonders angesprochen werden.
Im weiteren Verlauf werden die Kinder erwähnt und belohnt, die an jedem Sonntag des Jahres den Kindergottesdienst besucht haben.
Dann stellen wir uns vor und übermitteln viele Grüße. Hilrich betont, wie wohl wir uns hier fühlen und wie wichtig dafür das Lachen der Kinder ist.
Nun marschieren alle nach draußen, wo die mitgebrachten Lebensmittel versteigert werden. Viele Kirchenmitglieder können kein Geld für die Kollekte spenden, sie bringen also Naturalien mit, die dann versteigert werden.
Auch wir steigern mit. Selbst als niemand mehr mit bietet, gelingt es Hilrich, den Preis für eine Ananas in ungeahnte Höhen zu treiben. Am Schluss sind wir Eigentümer eines Korbes voll mit Bananen, Ananas, Zuckerrohr (verschenken wir an die Kinder), Tomaten, Spinat und Kuchen. Das Ganze kostet 40 000 tansanische Schilling, ungefähr 28 Euro.
Als nächster Programmpunkt kommen Blechbläser der Musikschule um die Ecke. Doch wer lahme „Dicke-Backe-Musik" erwartet hat, wird überrascht. Der schwedische Musiklehrer und seine Studenten bringen viel Schwung und Pep in alte Lieder. (Wäre bestimmt was fürs Jazz-Weekend oder für die Sendung „Pimp up my Posaunenchor".)
Um 14Uhr gibt's endlich Mittagessen (Reis, Bananenbrei, Bohnen, Fleisch mit Soße). Dazu zur Feier des Tages Cola, Fanta oder Sparletta. Almuth probiert Sparletta: Pine - Nut mit dem unbeschreiblichen Geschmack nach Kokos, Ananas und einem Hauch Desinfektionsmittel.
Nachmittags sitzen wir vor der Kirche im Freien und genießen das kurzweilige Programm aus Beiträgen der Kinder, des „Posaunen - Ensemble" und der Studenten.
Die Freizeit bis zum Abend verbringen wir damit, die Meerkatzen zu filmen und zu fotografieren, die unser Haus umlagern. Plötzlich ist meine Brille verschwunden. Später find eich sie im Garten. Ich vermute, ein Affe hat sie geklaut und zum Glück wegen unpassender Sehstärke dort abgelegt.
Zum Abendessen sind wir mit allen Studenten zusammen in der „Dining Hall". Sie freuen sich, uns zu Gast zu haben, nicht zuletzt, weil es dann statt dem ewigen Ugali (Maisbrei) nun Reis mit Fleisch, Soße, Erdnussmousse und Krautsalat gibt.
Es ist immer wieder erstaunlich, welche Mengen an Essen die Studenten verdrücken können.
Wir sind an verschiedenen Tischen platziert, was zu angeregten Gesprächen untereinander führt. Anschließend haben die Studenten ein buntes Programm aus Liedern und Tänzen vorbereitet. Einige Lieder sind speziell für uns und handeln von guten Wünschen und herzlicher Dankbarkeit über unseren Besuch und die Partnerschaft.
Ziemlich K.O. von den vielen Eindrücken gehen wir nach Hause und fallen bald müde ins Bett.


6.10.08 Montag [Micha]

Der heutige Tag begann wie immer. Als erstes ging Hartmut um 6 ins Bad. Um 6.15 weckte er mich und ich ging ins Bad. Danach kamen Almuth und Hilrich dran.
Anschließend genossen wir unser Frühstück. Es gab die gleichen Sachen wie an den vorherigen Tagen. Leider gab es kein Frühstücksei.
Mittlerweile haben wir uns gut eingelebt. Leider haben wir nur ein Plumpsklo. Almuth hat den täglichen Toilettengang perfektioniert und kniet mittlerweile im Klo.
Nach dem Frühstück hatten wir eine kurze Pause und nutzten die Zeit, um uns zu sonnen. Anschließend wurden wir zu einer Diskussion abgeholt. Es ging um das Zusammenleben von Christen und Muslimen in Deutschland. Leider hat Joas die Diskussionsrunde abrupt abgebrochen, da es Zeit für Kaffee und Tee war.
Wir waren gerade auf dem Weg zu unserem Quartier, als uns Almuth zurückpfiff.
Anstatt einer Pause sollten wir eine Unterrichtsstunde mit den Studenten erleben. Die Studenten sagten, dass sie sich sehr über die Fahrräder freuen würden. Außerdem freuten sie sich sehr über die Gastgeschenke. Jeder bekam zwei Kugelschreiber, ein Lineal, einen Ansteckpin und einen Spitzer und einen Bleistift.
Danach gab es noch eine Fotosession.
Nach einer kurzen Pause gab es Mittagessen. Alle probierten neugierig Ugali. Ugali schmeckt aber nach gar nichts. Nach dem Essen hatten wir eine große Pause. Hilrich schläft, Jenny ruht, Hartmut räumt sein Zimmer auf, Almuth schaut sich im Garten um, ich schreibe den Bericht und Isa geht ihren künstlerischen Trieben nach.
Während Jenny, Isa und ich zu den Felsen gingen, um zu relaxen, empfingen Hartmut, Almuth und Hilrich Leopold zu Besuch. Leopold ist der frühere Leiter der Bibelschule. Nach einer längeren Pause wurden wir von den Studenten abgeholt. Die Schüler führten uns auf der Wiese vor der Kirche ein Theaterstück auf. In dem Stück ging es um eine traditionelle Heirat in Tansania. In Tansania müssen die Eltern über 1000 Ecken gefragt werden.
Danach erklärten Almuth und Hilrich ihre Kennenlern-Geschichte. Nun stellten wir uns gegenseitig Fragen.
Nach dem interessanten Nachmittag haben wir jetzt eine Pause und warten hungrig auf das Abendessen.
Nachdem wir uns gesättigt haben, gehen wir zu unserer Unterkunft. Während sich Isa und Jenny verabschieden, diskutieren Almuth, Hilrich und Hartmut über den Islam. Ich „dusche" in der Zeit. Um 22.30 geht jeder erschöpft ins Bett.


Dienstag, 7.10.08 - Ruhija [Isa]

Heute Morgen gab es für uns erst um 8 Uhr Frühstück - das war wunderbar, denn unsere Mädels haben endlich einmal nicht um halb 6 angefangen zu putzen.
Danach haben wir den Unterricht des 1. Jahres der Bibelschule besucht. Es war sehr interessant, die vielen Namen der Schüler zu sehen (wir konnten alle an der Tafel sehen und haben unsere auch dazu geschrieben). Allerdings war der Lehrer nicht Joas, sondern Pastor Christian und deshalb hatten wir niemanden, der direkt aus dem Deutschen übersetzen konnte.
Alle drei Sprachen in einem Raum, immer abwechselnd, von links, rechts, vorne, hinten - das war sehr anstrengend und vermutlich der Grund, warum ich danach erstmal Kopfschmerzen hatte.
Allerdings waren wir danach bei den schwedischen Musiklehrern zum Tea eingeladen - das war wie im Paradies, nicht nur wegen der schönen Lage des Hauses.
Es gab Brote mit Marmelade, Kaffee, Tee und Fanta! Es war sehr entspannend, endlich ein Gespräch führen bzw. verfolgen zu können.
Das Highlight des Besuches war allerdings ein luxuriöses Klo mit Wasserspülung. Almuth musste sich also heute nicht hinknien.
Nach dem Mittagessen (heute gab es Reis) hatten wir eine lange Pause, die wir alle zum Ausruhen genutzt haben.
Heute stand der Besuch des Marktes in Ibwera an.
Hartmut, Almuth und Hilrich wollten gerne laufen, die Senioren unter uns, das heißt Jenny, Micha und ich haben das Angebot der Schweden angenommen, mit dem Auto zu fahren.
Um 3Uhr sind die Läufer losgegangen, zusammen mit einigen Studenten. Für den Rest sollte um 4Uhr das Auto fahren. Leider war diese Nachricht scheinbar nicht bei den anderen Studenten angekommen, denn um halb 4 standen zwei vor unserem Haus und waren auch nach mehreren Erklärungsversuchen nicht bereit, zu gehen. Zum Glück hat sich das dann auch geklärt und auf holpriger Straße ging's nach Ibwera.
Zwischendurch haben wir die eifrigen Läufer eingeholt.
Das Gefühl auf dem Markt war unglaublich beängstigend. Vielleicht auch gerade deshalb, weil er nicht besonders groß war und wir als Attraktion eben umso interessanter waren. Da wir in unserem Fall nur mit weißen Leuten unterwegs waren, wurden wir von allen Seiten bedrängt, jeder wollte jedem die Hand schütteln und da wir kein Wort verstehen konnten, hat uns die Situation ziemlich Angst gemacht und wir wollten nur eins: weg.
Hartmut konnte unsere Aufregung gar nicht verstehen und sobald die Studenten bei uns waren, war die Atmosphäre wieder sehr entspannt.
Nachdem Hartmut das halbe Dorf auf ein Getränk ins McDonalds von Ibwera eingeladen hatte (ein kleiner Raum an der Straße mit Tischen und Stühlen) und Jenny und Almuth mit den Schweden wieder im Auto saßen, machte sich der Rest unter Gesängen der Studenten auf den Rückweg zur Schule.
Der Tag ist nun schon fast zu Ende und wir warten gespannt auf das, was noch kommen wird.

P.S.: Micha hat nun endlich die Möglichkeit gehabt, mit Susi zu telefonieren. Auch Hartmut hat mit seiner Frau, Jenny und ich mit unseren Eltern telefoniert.

P.P.S: Hartmut hat heute einen Brief bekommen. Allerdings war dieser adressiert an einen gewissen Hermut. Keine Ahnung, wer das ist.


8.10.08 - Ruhija [Jenny]

Heute Morgen gab es wieder zum ersten Mal seit ein paar Tagen Eier. Wir genießen es alle, dass wir erst um 8 frühstücken gehen, was dazu führt, dass die allgemeine Situation morgens nicht so gestresst ist.
Nach dem Frühstück hatten wir ein Treffen mit Joas, dem Bibelschulleiter. Er hat uns die finanziellen Probleme geschildert, und wir haben zugesagt, ihnen zu helfen. Joas versprach seinerseits, dass er wegen den Bicycles früh genug Bescheid sagt, damit wir dann das Geld überweisen können. Zum Ende hin übergaben wir Joas die 2 Bücher für die Bibliothek. Er nahm sie dankend entgegen und dann haben wir ihm noch eine Tasse, ein Stifteset, einen Kuli und ein Schlüsselband gegeben.
Danach sind wir noch zur Bibliothek gegangen und haben uns dort alle Räume angeguckt. Die haben viele interessante Gegenstände aus Holz. Die meisten Bücher sind allerdings auf Englisch, was ein großes Problem ist, weil viele Studenten nicht so gut Englisch können, wie uns Joas erklärte. Wir haben auch den Raum gesehen, wo der Strom gespeichert wird und wo die Computer stehen. Allerdings können nicht alle Studenten zur gleichen Zeit an den PC, weil nur 4 zur Verfügung stehen. Außerdem ist die Energie nur begrenzt zur Verfügung, weil es nur 6 Batterien gibt. Nach dem Rundgang hatten wir Kaffee. Als wir damit fertig waren, hatten wir Pause. Wir haben uns zusammengesetzt und darüber geredet, was wir positiv und negativ finden. Jeder bekam sein Fett weg und wir einigten uns darauf, dass wir Sachen, die uns nicht passen, nur in unserer kleinen Runde besprechen.
Zum Mittagessen gab es keinen Reis, sondern Kochbananen und Ugali mit Soße. Meiner Meinung nach hat dem Kochbananenbrei etwas an Salz gefehlt...
Nach dem Mittagessen sind Isa, Micha und ich zu den Felsen, haben gelesen und uns gesonnt. Almuth, Hilrich und Hartmut haben sich hingelegt und geruht - wie immer ?
So gegen halb fünf haben wir uns mit dem Partnership Commitee getroffen, in dem auch zwei Studenten sind. Sie haben uns gefragt, wie wir uns sie Informations- e-Mails vorstellen, d.h., was darin vorkommen soll. Und wir haben uns erkundigt, wie die allgemeine Situation der Bibelschule ist. Als wir fertig waren und ein Foto gemacht war, verabredeten Almuth und ich uns für morgen zum Kuhmelken.
Danach sind wir alle zusammen in den Gottesdienst gegangen, allerdings dauerte dieser nur ca. eine Viertel Stunde. Nach dem Gottesdienst haben wir Indiaca gespielt. Christian und ein anderer Student gesellten sich zu und uns spielten mit. Ich bekam einen nicht sehr netten Kommentar von Hartmut über mein Gewicht, welchen er aber nicht ernst meinte.
Hilrich spielte wider mit seiner Gesundheit, indem er Papayas nach den Affen geworfen hat und somit riskiert hat, dass sie ihn noch einmal angreifen.
Zum Abendessen gab es Reis mir Bohnen. Isa und ich haben leichte Verdauungsschwierigkeiten, da Isa sich einfach nur voll fühlt und mein Magen leichte Probleme hat, das Ugali zu verdauen.

PRAISE THE LORD!!!


9. Oktober - Donnerstag - Ruhija [Almuth]

Der Tag beginnt damit, wie immer, dass Christian und andere Studenten um 6.15 Wasser für uns in den Behälter laufen lassen, um es für uns zu erhitzen: Fürs Bad. Es ist einfach toll, welche Mühe sich alle machen, damit es uns gut geht. Die, die Feuer machen und drum herum stehen unterhalten sich fröhlich. Alle lachen so gerne. Es ist schön, davon geweckt zu werden. Dann kommt wieder unser allmorgendlicher Vogel-Wecker dazu. Hilrich und ich brauchten es heute, denn von 4 - 5 waren wir schon mal wach. Später zweifelte ich leicht am Befinden meines lieben Mannes, da er undefinierbare recht laute Scheuchgeräusche von sich gab. Er wollte Affen am Fenster verscheuchen, dabei hatte ich mich nur rumgedreht, was scheinbar ähnliche Töne erzeugte. Die Morgenliturgie (singen) war schön. Heute sangen wir das für Hartmut unverständliche (vom Text) Lied: „O Gott, du frommer Gott", mit dem bezeichnenden Vers: „Gib, das ich tue stets was mir zu tun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet..." Wir in Deutsch, die anderen in Suaheli. Beim Vaterunser fallen mir aber nie die deutschen Worte ein. Überhaupt habe ich das Gefühl, Deutschland und meine ganze Familie ist so weit weg. Ich kann sie in meinem Kopf nicht finden. Das geht Michael, Jenny und Hartmut zumindest ganz anders. Wiewohl es, seit wir tansanische Handykarten haben, besser geht.
Zum ersten Mal hatten wir eine deutsche Morgenmeditation. Danach unterbreitete Hilrich uns seine Gedanken zu unserem Auftrag. Wir fanden sie wohl alle gut.
Wir machten uns danach auf den Weg zur Afro-Art-Schule, in der wir schöne Ketten und Holzartikel erstanden. Bis Montag sollen noch 5 kleine Trommeln fertig werden. Nach Tee und Kaffee machten wir uns auf den Weg mit unserem Librarian (Bibliothekar) ins Dorf. Gleich in der ersten, sauberen, kühlen Hütte wurden wir mit Karibu-Willkommen, eingeladen einzutreten und uns auf der Matte zu setzen. Uns wurden Kaffeebohnen zum Essen gereicht. Schön war es, sich den Bau auch von innen anzusehen. Beeindruckend immer wieder die Freundlichkeit der Leute und die Freude der Kinder um uns zu sehen. Nach herzlichen Verabschiedungen sahen wir uns noch genauer ein im Bau befindliches Haus an. Der schmale Weg durch die schattigen Felder war Isa trotzdem nicht angenehm. Sie hat heute ihren „Körper-schwierigen" Tag. Anschließend in der Sonne war uns allen recht warm. Interessant ist sie Anbauweise auf den Federn. Zwischen Bananenbäumen ist Mais, Bohnen und Tomaten oder Maniok gepflanzt. So wird der Boden nicht einseitig ausgenutzt. Ein Mann zeigte uns sein Haus, das er neu baute, weil sein voriges abgebrannt war: Nachteil des Naturmaterials.
3 Monate würde er dazu gebrauchen. Bis dahin wohnen sie im gemieteten Haus. Ganz schön geschafft waren wir nach diesem Rundgang. Unsere Damen mochten nicht mal Mittagessen. Dabei gab es heute Kartoffeln, außer Ugali und Reis.
Nach dem Kaffee stand die Aktion Bäume pflanzen auf dem Programm. Leider waren die Hacken etwas wacklig, aber es ging. Leider trat ich in einen Ameisenhaufen. Die Viecher krallten sich einfach überall fest. Weil ich um mich schlug, da die Dinger fürchterlich stachen oder pieksten und sogar den Rock hob, lachten die Tansanier sich halb kaputt. Eine Studentin erbarmte sich meiner, lief mit mir weg hinter ein Haus, wo ich mich dann ausziehen konnte. Hinterher merkte ich nichts mehr von den Ameisen. Das Pflanzen machte „Spassss". Immer eine( r ) von uns und eine( r ) von hier zusammen. Danach gab's ein Lied und ein Gebet auf Suaheli und Deutsch für das Wachstum der Bäume und der Gemeinschaft. Die Kuh war schon gemolken, doch es war schön, sich mit den Frauen und den Kindern zu unterhalten. Zwischen Hühnern und allem wurden Bananen gekocht und Kohl geschnitten.
Es war ein voller Tag!


Freitag, 10.10.08 - Ruhija

Schleifende, schlürfende Schritte über dem Zementbodendringen durch das offene Fenster an unser Ohr. Christian betritt den Eingang, wie an jedem Morgen um diese Zeit in der Morgendämmerung, um an einer offenen Feuerstelle das Wasser zur Morgentoilette zu erwärmen. Fast zeitgleich kommt an jedem Morgen ein Vogel vorbei und stellt uns sein Morgenlied vor. Es ist, als wollte er uns mitteilen: „Praise the Lord" - Gott zu preisen.
Mit diesen Wahrnehmungen werden wir in den Tag gerufen. Und es lohnt sich tatsächlich, aufzustehen und in die Morgenandacht zu gehen. In der Kirche haben sich fast alle Bibelschüler eingefunden. Der Liturg (Schüler der Bibelschule) vertreten mit der Begrüßung und mit dem Knien vor dem Altar, die versammelte Gemeinde. Nach den gemeinsamen, manchmal bekannten, schönen Liedern und Lesungen werden wir in den Tag entlassen.
Sobald wir den Speiseraum betreten, beginnt einer freiwillig mit dem Gebet.
Tee und Kaffee werden gereicht und nachdem wir und gesättigt haben, heißt es fertig machen zur Abfahrt nach Ndolage. Hier hat uns eine deutsche Frau - Wiebke Werner aus Bischoffen/Mittenaar - eingeladen. Sie ist seit August als Praktikantin während eines sozialen Jahres im Ev. Krankenhaus der ELCT tätig. Sie empfängt uns in ihrer geräumigen Wohnung.
Als Ausdruck ihrer Freude über unseren Besuch verwöhnt sie uns mit Spaghetti und selbstgebackenem Kuchen.
Natürlich erzählt sie von ihrem Ergehen und ihrem Eingewöhnen, z.B., dass sie selber von sich aus sehen muss, dass sie Kontakte bekommt, dass sie sich über e-Mails, Briefe und Anrufe freut. Ohne eine gute Verbindung wäre es kaum auszuhalten.
Oft wünscht sie sich, keine Weiße zu sein, weil sie sehr angestarrt wird.
Nach dem intensiven Austausch führt sie uns in das Krankenhaus. Wiebke erzählt, dass sie sich alle Bereiche des Krankenhauses anschauen kann, um sich für eine Abteilung zu entscheiden.
Wir sind überwältigt von den vielen Menschen, die krank sind und Hilfe suchen. Grund dafür ist wohl, dass für die Patienten der Aufenthalt und die ärztliche Versorgung kostenlos ist. Angehörige müssen den Patienten begleiten und für die Ernährung sorgen. Dafür ist eigens für Übernachtung, Wasser- und Feuerstelle gesorgt. Überall sieht man kranke Menschen, besorgte Gesichter.
Wiebke sagt dann auch, trotz guter Vorbereitung seitens der VEM -tägliche Gebete in Fürsorge der Eltern und Freunde- könnte sie diese Arbeit ohne ihren Glauben an Gott nicht tun. Man merkt es ihr an, noch ist sie voll Tatendrang und Freude, doch erst wenn sich Bekanntschaften an Ort und Stelle und fachliche Begleitung finden lassen, ist ein angenehmer Aufenthalt zu gewährleisten. Es ist zu hoffen, dass sie auch später nicht mit den eindrücklichen Auslandserfahrungen alleine bleibt. Denn gerade auf Auslandserfahrungen sind wir in unserer globalen Welt angewiesen, die nicht auf Profit und Karriere aus sind.
Die Heimfahrt und Abendstunden sind erfüllt von Eindrücken des Besuches.
In Ruhija angekommen, stellen die Bibelschüler den 2. Teil des Familien-Themas in einem Rollenspiel vor: Ein junges Paar heiratet und hat dabei familiäre, freundschaftliche und kirchliche Schritte zu beachten.
Im Gegensatz zu uns in Deutschland ist eine kirchliche Trauung standesamtlich anerkannt.
Nach dem Abendbrot gehen wir gerne zu Bett.
? Korrektur: Der Aufenthalt der Krankenhäuser ist nicht kostenfrei, sondern zu einem großen Teil. Zu welchem muss noch in Erfahrung gebracht werden.


Samstag, 11.10.08 - Ruhija

Um 6.30 Uhr stehe ich auf, um mal wieder zu „duschen" (d. h. Generalreinigung mit ca. 5-7 Litern Wasser).
Um 7 Uhr höre ich Deutsche Welle (extrem schlechter Empfang) und erfahre über weitere Einbrüche des Dax und Nikkei und den tödlichen Unfall von Jörg Haider (rechtsextremer österreichischer Politiker).
Um 8 Uhr gibt's Frühstück, wie immer mit Weißbrot, Margarine, Marmelade, Kaffee, Tee und Milch.
Danach treffen wir uns, um mit einem Bibeltext und Gebet den Tag zu starten. Wir tauschen uns kurz darüber aus, was uns gerade beschäftigt.
Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung sind Anfragen nach finanzieller Unterstützung. Nun wurden schon einige unserer Gruppe angesprochen, ob sie einzelne Studenten/innen in irgendeiner Form unterstützen könnten. Wir legen fest, dass unser Dekanat die Bibelschule in diversen Projekten unterstützt, aber keine einzelnen Studenten, um nicht eine Ungleichbehandlung zu verursachen. Wenn darüber hinaus Anfragen kommen, sollen sie nur im Team aus Hilrich, Hartmut und Joas (Bibelschulleiter) besprochen werden.
Um 10Uhr fahren wir im Landrover der Schule zum „Open market" nach Nyakibimbili gefahren (14 Personen in einem Auto - kein Problem!)
Auf dem Markt gibt es alles, was man in Tansania zum Leben braucht: Obst, Gemüse, Fische, Schuhe, Kleidung, ? ...
Am Straßenrand zeugt ein an die Wand gelegter Kuhschädel davon, dass es sich um eine Metzgerei handelt, in der der Rest der Kuh in Einzelteile zerlegt in der Hitze vor sich hin dampft. Isa fühlt sich in ihrer vegetarischen Lebenseinstellung vollkommen bestätigt, was sie allerdings nicht davor schützt, an Verstopfung zu leiden.
Auf der Rückfahrt machen wir in Ibwera Halt, um in unserer „Stammkneipe" eine Runde Soda für alle auszugeben. Der junge Inhaber macht nun schon zum 2. Mal das Geschäft der Woche.
Zu Hause angekommen verzögert sich das Mittagessen und bei uns kommt fast ein unbekanntes Gefühl auf, das man glaube ich Hunger nennt. Als wir dann die Töpfe öffnen, werden wir von Kartoffeln überrascht, die mit Soße total lecker schmecken.
Mutig versuche ich auch ein Stück Fleisch, dass ich allerdings nach 10min vergeblichem Kauen unverändert auf den Teller legen muss.
Almuth sieht es vor, ihr Stück den Hühnern vorzuwerfen. Wahrscheinlich gibt es morgen ersticktes Huhn mit Reis.
Um 16.30Uhr steht ein Konzert der Bibelschüler auf dem Programm. Nach einigen Liedern und Tänzen hält Joas eine Abschieds- und Dankrede. Plötzlich merken wir, dass die Studenten die für den Abend geplante Farewell-Party nach vorne geschoben haben und wir nun auch dran sind. Aber wie heißt es so schön: „Be flexible and you will enjoy Africa!" Almuth und Hilrich legen eine flotte Sohle aufs Parkett und danach bedanken wir uns bei allen für die unvergesslichen Tage und die unbeschreibliche Gastfreundschaft. Ein gemeinsames Gebet schließt die Veranstaltung ab.
Die Zeit bis zum Abendessen nutzen wir, um zu schreiben, zu lesen oder Sachen zu suchen.
Zum Abendessen gibt es dann sogar Nudeln neben Reis und Soße.
Wieder zu Hause sitzen wir im Dunkeln, da die Solaranlage scheinbar nicht genug geladen hat. Es klopft an der Tür und kurz darauf fühlen wir uns wie an Weihnachten. Joas und Christian übergaben jedem ein in Nikolaus-Papier eingepacktes Geschenk: Für die Damen ein Kleid und für die Herren ein Hemd aus afrikanischen Stoffen. Wir sind begeistert und ziehen es sofort an.
Nun ist es dann auch Zeit, zu Bett zu gehen.


Sonntag, 12.10.2008

Der heutige Morgen begann sehr stürmisch. Anschließend regnete es. Nach einem leckeren Frühstück hatten wir Zeit, um unsere Koffer für die Safari zu packen. Danach gingen wir zum Sonntagsgottsdienst. Dieses Mal predigte Hilrich über die Wohltaten von Gott. Anschließend gab es noch Abendmahl und die allsonntägliche Versteigerung. Almuth ersteigerte eine Ananas.
Nun hatten wir noch einmal Zeit, um die letzten Sachen zu packen.
Anschließend holte Aba-Yesu uns zum Mittagessen bei sich zu Hause ab. Über holprige Straßen ging es zu ihm nach Hause.
Äußerst freundlich wurden wir von seiner Familie enpfangen. Es gab gewürzten Reis, Kartoffelbrei, Hähnchen, Krautsalat, Gurken, Rindfleisch und Ananas. Es war sehr lecker.
Mit vollem Magen ging es zu Aba-Yesus Vater. Dort tranken wir Tee und aßen leckeren Kuchen. Der Vater bedankte sich für die Krücken.
Schließlich brachte uns Aba-Yesu zurück zur Schule.
Nach einer kurzen Pause gingen wir in die Kirche, um einer musikalischen Abendandacht zu lauschen.
Anschließend führten wir „Laurenzia" auf.
Danach hatten wir eine längere Pause. Die Mädchen packen, ich schreibe den Bericht und die anderen besprechen Sachen wegen morgen.
Danach gingen wir zum Abendessen. Es gab Kartoffeln, Fleisch, Krautsalat, Kochbananen und Wasser zu trinken.
Nun müssen nur noch die Mädchen ihre letzten Sachen wegräumen. So endet der letzte Tag in Ruhija.
Mo, 13.10.2008 - Bukoba; Fährfahrt

Heute Morgen wurden wir mit freundlichen Grüßen von Laurenzia geweckt, die bei uns für sehr starken Muskelkater gesorgt hatte.
Zum letzten Mal wurden wir von unseren Mädels in die Dusche gesteckt. Man mag es kaum glauben, aber ich werde es sehr vermissen.
Natürlich wurde uns von ihnen wieder nicht erlaubt, unsere Sachen selbst zu tragen und so transportierten Regina und auch die kleine Alphoncina unsere schweren Koffer auf dem Kopf zu unserem Haus.
Von dort aus gingen wir ein letztes Mal zur Morning Devotion und erhielten dort noch einmal einen herzlichen Dank des Schulleiters Jonathan Hamurungi.
Danach verteilten wir noch die letzten Gastgeschenke, unter anderem einen Fußball, über den sich die Studenten sehr gefreut haben.
Nach dem Frühstück wurde das Gepäck in das inzwischen angekommene Auto gepackt, wir verabschiedeten uns von den Helfern und stiegen ein.
Joas war bereits unterwegs zu den Klassenräumen, und plötzlich standen alle Studenten um unser Auto herum, durch das Fenster gaben sich alle noch einmal die Hände, Adressen und Blumen wurden überreicht und dann verließen wir - winkend bis zum Schluss - Ruhija, nach 10 ereignisreichen, wundervollen Tagen.
Die Fahrt war ok, Bukoba erreichten wir ohne Probleme und unser Gepäck ließen wir in niedlichen Hütten am Strand. Die Aussicht war traumhaft! Hütten im Hawaii-Stil, Hängematte, Sandstrand, mit Blick auf den Viktoriasee.
Hier könnten wir bleiben!
Aber zunächst ging es zurück nach Bukoba, wo wir William in seinem Office besuchten. Leider erzählte er uns, dass er nicht mit uns in die Serengeti fährt, sondern seine Sekretärin mitschickt.
Während Hartmut versuchte, auf der Bank Geld zu holen (allerdings war er mehr oder weniger erfolglos, da der Automat nicht mehr als 1mio ausgeben konnte), stöberte der Rest im ELCT-Bookstore und Micha, Jenny und ich fanden wunderhübsche Safarihüte. Später kauften wir auch noch Postkarten und sogar Hartmut schaffte nach einigem Überlegen seine wenigen Standartzeilen aufzuschreiben („Liebe Annika, ich dachte ja, du wärst schrecklich, aber das hier ist noch viel schrecklicher!")
Wieder am Strand angekommen, trafen wir plötzlich einige weiße Gesichter.
Außer zwei Engländern trafen wir eine 20-jährige Freiwillige, die von Mai 2008 bis Mai 2009 hier arbeitet. Ihr Name ist Franzi und wir hatten zusammen eine Menge „Spassss" ?
Später gesellte sich eine ältere Frau aus Bielefeld zu uns, die wir fälschlicherweise zunächst mir Almuth verwechselten. Wir werden sie am Freitag im ELCT-Hotel wiedertreffen.
Nach dem Dinner, einer gemütlichen Runde am Lagerfeuer und der vergeblichen Suche des Schlüssels unserer 2. Hütte (die Tür wurde dann aufgebrochen), konnten wir unser Gepäck in die beiden Autos einladen.
Hartmut, Michi, Jenny und ich ergriffen die Chance, mit William in einem offenen Jeep zu fahren!
Durch seine Fußball-Kontakte schaffte William es, uns bis direkt vor die Fähre zu fahren - was eigentlich verboten ist.
Mittlerweile hat die Fähre abgelegt, auf jeden Passagier kommen circa 100 Bananen und wir teilen uns jeweils zu zweit eine Zweibettkabine. Morgen um 6Uhr werden wir in Mwanza ankommen.
Übrigens haben wir jüngeren Leute heute unsere Sucht befriedigt und ein Internetcafé aufgesucht! Dass das nötig war, merkte man daran, dass Micha und Jenny nun endlich wieder ein vernünftiges Gespräch über Wer-kennt-wen führen konnten, mit den 3 Meter Luftlinienabstand, der bei solchen Kommunikationen üblich ist!
14. Okt 2008 - Mwanza - Serengetitour

Nach einer ziemlich unruhigen Nacht, da die Fähre so laut war, wurden wir heute Morgen um 5 von Almuth geweckt. Nachdem Isa und ich unter Muskelkaterschmerzen aufgestanden sind, haben wir den Sonnenaufgang bewundert.
Um 7 sind wir dann in Mwanza angekommen. Am Hafen wurden wir von Leonard und Isaac abgeholt. Das Gepäck wurde auf dem Dach verstaut und dann ging es frühstücken.
Die Bedienung war ziemlich lahm und Modesta hat verstanden, dass wir unser Frühstück bestellt haben, um es als Lunch mitzunehmen.
Aber irgendwann hatten wir alle unser Frühstück vor uns und bekamen auch noch unser Lunchpaket.
Dann ging es weiter, damit Hartmut Geld abheben konnte, allerdings funktionierte keiner der Automaten.
Almuth hat die Schifffahrt nicht so sonderlich gut vertragen, aber ihr geht es schon wieder besser. Zum Glück.
Als wir Mwanza verließen, trottete ein Hund über die Straße, auch wenn das Auto nicht sonderlich schnell war - anstatt zu bremsen, überfuhr Leonard den Hund einfach. Sein Kommentar: This is Africa.
Bis zum Serengeti Nationalpark fuhren wir etwa 2 Stunden. Die Landschaft wurde zusehends trockener und Häuser waren manchmal alleine oder verlassen. Immer seltener tauchten richtige Siedlungen auf. Hin und wieder konnte man in weiter Ferne den Viktoriasee betrachten.
Nach etwa 2 Stunden hatten wir dann den Serengetipark erreicht. Bevor wir allerdings den Park betraten, sahen wir schon einige Paviane an der Straße herumspazieren - was ein lustiges Bild war. Am Tor der Serengeti waren auch Meerkatzen. Allerdings waren diese nicht so scheu wie in Ruhija und hatten ihr eigenes Futter dort stehen. Bevor wir aus dem Auto ausstiegen, mussten wir die Fenster zumachen, da sonst die Affen hineingesprungen wären.
Dann gings ab in die Serengeti.
Die ersten Tiere, die wir sahen, waren Unmengen von Pavianen. Wir stimmten überein, dass es sehr hässliche Tiere sind.
Danach kamen Unmengen von Gnus. Hilrich bemerkte im Laufe des Tages, dass Gnus ziemlich unproportionale Körperformen haben.
Nach 2-3 weiteren Kilometern haben wir die ersten Zebras zusammen mit den Gnus gesehen, irgendwann danach dann Giraffen. Als wir stehen blieben, haben sie sehr interessiert geschaut und wir erfuhren, dass die Tiere mit den dunkleren Flecken die ältesten sind.
Hin und wieder trafen wir andere Guides, mit denen sich Leonard austauschte.
Gegen Abend war der Tumult dann plötzlich groß, als es hieß, in der Nähe seien Löwen.
Wir fuhren zu dem beschriebenen Ort und tatsächlich lagen da 3 Löwinnen auf einem Baum, die sich sonnten. Urplötzlich kamen aus allen Ecken die Safariautos angefahren, damit jeder die Löwen sehen konnte. Als immer mehr kamen, fuhren wir weiter, kamen aber nicht weit, denn auf der Straße war ein Stau entstanden. Im Baum neben der Straße lag ein Leopard. Man musste etwas suchen, bis man ihn hatte, da er sehr gut versteckt war. Durch die Kamera hat man ihn nur als Schatten gesehen, aber durchs Fernglas konnte man auch die Flecken erkennen.
Danach fuhren wir weiter bis zum Übernachtungslager.
Isa ging es derweil so schlecht, dass sie sich über nichts mehr freuen konnte und nichts mehr sehen wollte.
Zwischendurch haben wir eine Giraffenherde galoppieren sehen, was aussah, als wenn sie Giraffen nichts wiegen würden.
An den Wasserlöchern, an denen wir vorbei gekommen sind, haben wir Hippos und Krokodile gesehen. Es war schon ein bisschen unheimlich, da man in dem trüben Wasser nicht genau sehen konnte, ob ein Krokodil drin lag.
Jetzt sind wir im Camp, Isa geht's nicht wirklich besser. Wir wollen aber noch warten bis morgen, bis wir etwas Tabletten- oder Doktor-mäßiges unternehmen.
Es wird schon langsam dunkel und wir sind gespannt, ob man später irgendwelche Tiere hört.
? Büffel haben wir auch gesehen. Micha und ich waren Wasser holen und Leonard meinte, dass er zu uns kommt, wenn er mit seiner japanischen Lady fertig ist.
? Wir haben leider nur 2 Elefanten gesehen, was wenig ist. Wir hoffen, dass wir morgen noch welche sehen.
Das einzige Tier, das uns noch fehlt, ist ein Nashorn.
Selbst Strauße haben wir schon gesehen.
? So gegen 1 machten wir an einem Fluss Halt. Über dem Fluss war eine Hängebrücke gespannt. Es war ein bisschen komisch, darüber zu gehen, weil Leonard sagte, dass im Fluss Krokodile schwimmen.
? Am Zeltplatz angekommen bauten die Guides unsere Zelte auf.


15. Oktober 08 - Serengeti

Ein wundervoller Tag beginnt schon in der Dunkelheit. Ich werde wach von den Menschen die denken, dass, wenn sie aufstehen und ihre Zelte abbauen, alle anderen auch aufstehen wollen. Das ist aber erst der Anfang des Rummels. Kurze Zeit später ist der wahre Rummel los. Nach dem ich gestern Abend nach meinem „Kotztag" nichts mehr richtig wahrgenommen hatte, war ich überrascht, wie viele Landrover und Zelte noch dazu gekommen waren. Während es langsam immer heller wird, ist es zu meinem Erstaunen erst 6Uhr. Die meisten Trucks fahren schon ab, denn dies ist die beste Zeit, um Tiere zu sehen.
Wir lassen uns noch etwas Zeit, denn wir haben ja den ganzen Tag vor uns und laut Fahrer Leonard viele Möglichkeiten, genügend Tiere zu sehen.
Der Frühstückstisch wartet schon, liebevoll mit Kaffee, Tee, Saft und Ananas gedeckt, auf uns.
Als wir dann anfangen wollen, gibt es tolles Toastbrot und Omelett dazu. Dabei stand auch schon Butter, Marmelade und Erdnussbutter vorher bereit.
Ich staune immer wieder, wie unsere Begleiter für uns sorgen. Verdient haben wir es sicher nicht. Doch wir nehmen es dankbar an.
Zum Frühstück steht Isa zu unserer Freude auf. Die Körpertemperatur ist zwar nur um 0,1 Grad gesunken, doch sie will probieren mitzufahren, zumindest bis zum Mittag.
Bis dahin ist sie allerdings so beglückt, dass sie nicht zu Hause geblieben ist, dass sie nicht mehr davon spricht, dass sie keinen Bock mehr zum Fahren hat.
Es ist aber auch sagenhaft, was wir heute alles für Tiere sehen. Ich habe den Eindruck, weil ich gestern nicht richtig dran teilnehmen konnte, sehen wir alles doppelt und dreifach. Es beginnt schon gleich wieder mit einer Löwin, die faul auf einem Baum liegt.
Davor begegnen uns Paviane, die wohl unseren Frühstücksplatz inspizieren wollen. Wenn die Vögel, die uns schon fast auf dem Kopf, zumindest aber auf dem Tisch beehrten, ihnen noch etwas übrig gelassen haben, wird noch etwas für sie abfallen.
Scharen von Zebras laufen in der Savanne gemischt mit Gnuherden, Giraffen, immer wieder in größeren Gruppen, zupfen sich kunstvoll die Blätter von den dornigen Bäumen. Giraffen haben einen besonderen Schutz an ihrem Maul, ihnen machen die Dornen nichts.
Elefanten in kleinen und größeren Gruppen mit kleinen dabei duschen sich im Matsch. Laut Leonard fressen sie Tag und Nacht. Wie das die Serengeti auf Dauer aushalten soll, ist mir fraglich. Leonard sagt, dass die Serengeti nicht stirbt. Sobald die Tiere Überhand nehmen, regelt das die Population.
Warzenschweine hauen immer wie der Blitz mit ihren hochgestellten Schwänzen, wenn sie uns kommen sehen.
Löwen gibt es heute viele zu sehen: 2 findet Leonard am 2. Platz. Dann fährt er plötzlich über die Wiese, wo wir zum Fotografieren ganze nahe an zwei Geparden ran dürfen. Danach trafen wir auf eine Löwengruppe und sehen den ersten männlichen. Danach finden wir gleich noch einen unter einem Baum. Er atmet schwer, weil er sich im fortgeschrittenen Alter befindet.
Gazellen darf ich nicht vergessen: Thomson Gazellen, und den Koribastart, den schwersten Vogel, der fliegen kann.
Nach dem 1stündigen Lunch im Visitorscenter fahren wir zum Hippopool. Man sollte gar nicht denken, dass das Nilpferde waren, man sah nur lauter schwarze Hügel aus dem ähnlichfarbigen Wasser heraus, wenn sich nicht ab und zu einer von diesen Hügeln bewegt oder sein Maul weit aufgerissen hätte. Der Geruch war „umwerfend".
Abschluss bildete eine Wasser trinkende Giraffe und Zebras, sowie zwei Löwendamen, die direkt am Weg und am Wasser darauf warteten, dass ihnen ihr Dinner serviert wurde. wenn die in einiger Entfernung wartende Zebraherde sich endlich ans Wasser wagen würde.
Nachdem wir auf dem Nachhauseweg zum Camp noch eine Wildkatze sahen, war der Tag rund.
Leonard sagte für mich den schönen Satz: „Dank Gott für den Tag, wenn er gut war und dank ihm auch morgen."
Ein Essen im Mondschein und Buffalos oder Hippos hinter den Zelten waren ein besonderes Erlebnis an diesem wundervollen Tag.


16.10.08

Das plötzliche Auftreten von Buffalos am späten Abend lässt keine gute Nacht erhoffen. Gegen 2.30Uhr machen sie unsere Vorahnung wahr und betreten mit Schmatzen und Grunzen unseren Campingplatz. Ich beschließe, aufzustehen und kann sie mit kräftigem Wedeln von bunten hellen Handtüchern so erschrecken, dass sie mit lautem Getöse den Platz verlassen.
Isaac, unser Privat-Koch, hält dann am nächsten Morgen ein gutes Frühstück bereit. Leonard, unser Jeepfahrer, sorgt in der Zwischenzeit für den Abbau unserer Zelte, denn an diesem Tag steht die Rückfahrt nach Mwanza an.
Auf der Fahrt durch die Serengeti danken wir Gott für die erlebnisreichen Tage und befehlen uns und unseren Angehörigen den Segen Gottes.
Das Erreichen des Safari-Eingangs von 1 ½ Stunden sollte nach der Absicht von Leonard im schnellen Tempo geschehen, was aber die Bewohner des Parks zu verhindern wussten. Immer wieder musste der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nehmen und manchmal scharf abbremsen, weil an und an einzelne Paviane, große Herden von Gnus oder Zebras den Weg überquerten. An einer Wasserstelle konnten wir einige Löwen beobachten, die sich an eine Zebraherde heranschlichen. An der Einfahrt angekommen, genossen wir die ersten Anzeichen von Zivilisation - wie feste Wege und saubere Klos.
Auf der Straße nach Mwanza legten wir eine Pause ein, die mit einer Frage von Jenny genutzt wurde, um unser Verhalten als Gruppe auszusprechen, genauer gesagt, um eine schon länger anhaltende Verärgerung mir gegenüber loszuwerden und zwar: Warum ich die ganzen Tage ihr und anderen gegenüber die Kommunikation mit „Hinterfragungen" bestimmt hätte. Meine Antwort war, dass sie als die Jüngeren von Anfang an in ihrer Rollenverordnung, uns (Almuth und mir), die wir von außen kamen, keine Chance gegeben hätten, in die Gruppe hineinzufinden.
Dieser Konflikt sei zusätzlich dadurch hervorgerufen, dass 3 grundsätzliche Fragen von Anfang an ungeklärt geblieben seien.
1) Wer sind wir?
2) Was wollen wir in Ruhija
3) Wie verhalten wir uns, damit unser Ziel erreicht werden kann?
Ich bringe meinen Wunsch zum Ausdruck, dass wir zumindest am Ende unseres Projektes die Beantwortung der Fragen nachholen können.
In Mwanza angekommen, erhalten wir in einem Luxus-Hotel bis zur Abfahrt unserer Fähre einen außergewöhnlichen, angenehmen Zwischenstopp.
Während Hartmut die Banken besucht, gibt uns dieser Aufenthalt die Zeit, um die Disharmonie in unserer Gruppe anzusprechen und weitestgehend zu klären.
Allerdings werden wir auf dem Weg zu unserem Hotel durch einen schrecklichen Zwischenfall schockiert. An einer Bank, an der Hartmut versucht, Geld zu bekommen, parkt unser Auto neben einem Mann, der betrunken auf dem Boden liegt. Als er uns bemerkt, richtet er sich mit letzter Kraft auf und kommt schwankend auf uns zu. Cor lauter Angst schließen wir die Fenster. Wir sehen seine geschundene Kleidung, sein aufgequollenes Gesicht. Offenbar bemerkt er unsere weiße Haut. Er redet laut, sodass Passanten aufmerksam werden. Plötzlich tritt ein Polizist heran, packt den Mann am Kragen, zerrt ihn von unserem Wagen weg und schubst ihn aufs Pflaster. Er schlägt hart auf dem Boden auf und bleibt regungslos liegen. Die Passanten schauen weg, manche lächeln hämisch.
Wir im Wagen sind schockiert und hoffen im Stillen, dass ein Rettungsdienst, wie in Deutschland, eintrifft und den Mann aufhebt und versorgt. Doch nichts geschieht. Er bleibt liegen, weitere Fußgänger machen einen Bogen um ihn.
Neben Menschen 2. Klasse, die sich, im ganzen Land, wesentlich von der 1. unterscheidet, gibt es die Menschen 3. Klasse, die Gestrandeten, die Hilflosen. Für sie gibt es offenbar keine Daseinsberechtigung.
Wir brauchen in unserem Luxushotel noch lange Zeit, um uns annähernd zu Recht zu finden und eine Mahlzeit bestellen zu können.
Hier allerdings treffen wir unsere „kritischen englischen Freunde" wieder und Hartmut kann einen angenehmen Smalltalk mit der Geschäftsführerin unseres Reiseunternehmens führen.
Dann fahren wir zur Fähre.


Freitag, 17.10.2008

Nach einer unruhigen Nacht auf der Fähre quälen wir uns um 5.30Uhr aus den Betten und warten auf die Ankunft im Hafen von Bukoba.
William und ein anderer Fahrer bringen uns zum Strand. Dort können wir erst einmal 1 ½ Stunden ruhen.
Abschließend werden wir zum ELCT-Hotel gebracht.
Während Almuth, Hilrich, Isa und Jenny schlafen, dusche ich und räume auf. Währenddessen versucht Hartmut verzweifelt, Geld von der Bank zu bekommen. Als dies nicht gelingt, kauft sich Hartmut aus Verzweiflung ein KitKat beim Inder. Außerdem besorgt er Säcke für die Trommeln. Nach etwa 1 Stunde kommt er wieder. Verzweifelt stellt er fest, dass er nur noch 30 000 Schilling und nur noch ca. 150€ zur Verfügung hat. Wir müssen also unser Geld zusammenhalten.
Immerhin regnet es endlich mal wieder.
Nachdem ich mühsam Jenny und Isa aus dem Bett geworfen habe, entschließen wir uns, in die Stadt zu gehen.
Jeder besorgt die letzten Geschenke für zu Hause. Anschließend gehen wir etwas essen und trinken. Danach gehen wir zurück zum ELCT-Hotel und besorgen nochmals Geschenke.
Jetzt haben die Mädchen endlich Zeit, ihr Zimmer aufzuräumen.
Almuth redet mit ihrer verschwundenen Zwillingsschwester und Hartmut regelt noch etwas wegen des Geldes.
Anschließend machen wir eine Abschlussrunde. So kann noch mal auf verschiedene Fragen eingegangen werden.
Nach einem leckeren Abendessen mit Hähnchen, Reis, Kartoffeln und Soße bekommen wir Besuch von Herrn Betke. Er ist seit 4 ½ Jahren hier. Er hatte auf all unsere Fragen eine kompetente Antwort parat, wir wollen mit ihm in Kontakt bleiben.
Nun sitzen wir in einem Hotelzimmer und genießen Gummibärchen. Nur Almuth und Hilrich telefonieren gerade und Hartmut hört wie jeden Tag den Deutschlandfunk.


Samstag, 18.Okt.2008

Nach ereignisreichen und atemberaubenden Tagen erwachen wir im komfortablen ELCT-Hotel Bukoba.
Mein erster Gedanke: Mist, ich bin heute mit Schreiben dran.
Der zweite macht mich dann doch fröhlich: das letzte Mal für dieses Jahr!
Und außerdem hat Micha Geburtstag! Hier die Geschenkeliste: Blumen, ? , KitKat und Bounty (vom Inder), Beruhigungssauger, 3 Fotos von Susi und [Sascha] Micha, Kalender, Multifunktionswerkzeug, Armreif und eine tolle Geburtstagskarte.
Hilrich macht deutlich, was Geburtstag haben heißt:
Gott hat dich gewollt!
Zum Frühstück gibt's Weißbrot, Eier, Marmelade, Kaffee, Saft und Obst.
Danach ist Sortieren und Packen angesagt. Da das Geldabheben mit Kreditkarte nicht funktioniert, gelingt es mir, den Hoteldirektor zu überzeugen, dass wir die Rechnung von Deutschland begleichen werden. Eigentlich wollten wir Micha als Pfand-Zivi hierlassen, aber das scheint nicht nötig zu sein (Susi wird sich freuen).
Während die Mädels sich in ihrem Chaos zur Ruhe begeben (über das Zimmer könnte man eine „Messi-Soap" für RTL2 drehen), machen Almuth, Micha und ich eine Wanderung rund um Bukoba. Mittendrin erreicht uns ein Anruf von Joas, der uns am ELCT-Bookstore treffen will. Dort angekommen treffen wir auch Christian und - kaum zu glauben - John Rinunshu, den ich vor ca. 10 Jahren das letzte Mal in Ruhija gesehen habe.
Er bestellt schöne Grüße an alle und gibt mir 2 Dosen Kaffee mit. Joas übergibt mir die Rechnung von Ruhija. Ich verspreche, sie in Deutschland zu begleichen.
Für die Fahrt morgen kaufen wir noch Brot, Butter und Wasser. Das Wasser ist zu schwer für Zivi Micha, aber wir finden jemand (den Hotel-Manager), der es zum Hotel fährt. Dort angekommen wartet schon der nächste Bekannte. Samuel war 1991 in Deutschland und zeigt uns Bilder von seiner Familie. Er arbeitet als Evangelist. Von den ihm zustehenden 40 000 T-Shilling pro Monat bekommt er 6 000, gerade genug um z.B. 4kg Zucker zu kaufen.
Um 15Uhr findet es endlich statt: Das Treffen mit Abednego und seiner Familie (Melissa, Abel und Andrew). Wir freuen uns alle sehr, und hier in Tansania wiederzusehen. Nachdem jeder von zu Hause erzählt hat und Grüße übermittelt wurden, setzen wir uns in den Garten des Hotels und trinken Tee, Kaffee und Soda.
Abednego erzählt über seine neue Tätigkeit, einen neuen Zweig einer Universität in Bukoba vorzubereiten. Auch bezüglich Ruhija gibt er wichtige Informationen und Hinweise.
Zwischendurch komtm noch Pastor Amos, der Vater von AbaYesu, um Geschenke für Gietzelts abzugeben (Mein Koffer, der kurzzeitig stark abgenommen hatte, ist morgen bestimmt zum Platzen voll - Praise the Lord - Amen.)
Nachdem wir unsere restlichen Geschenke verteilt hatten, mussten wir Abschied nehmen.
Zum Abendessen gibt es eine Auswahl aus Reis, Nudeln, Chips, Chicken, Leber und Soße, dazu Möhren-Salat.
Abschlusstreffen um 20.30Uhr, dann bald ins Bett.


19.10.2008 - Fahrt nach Uganda (Kampala)

Heute Morgen nach dem Frühstück sollte die Rückfahrt nach Kampala angetreten werden.
Nachdem William das Gepäck vollständig im Auto verstaut hatte, sprach Bischof Buberwa, den wir am Frühstückstisch getroffen hatten, ein Gebet mit uns und wünschte uns eine gute Rückreise.
Das Wetter sollte uns wohl schon wieder ein wenig auf zu Hause einstimmen, denn es regnete fast die gesamte Fahrt über.
Relativ schnell hatten wir die Grenze zwischen Tansania und Uganda erreicht. Die schon bekannten Ein. Und Ausreisescheine wurden ausgefüllt, bis wir dann von unserem neuen Fahrer übernommen wurden.
Tansania - und auch all das, was wir dort erlebt haben - liegt nun hinter uns!
Als auch endlich Almuth ihre letzten Shilling für einige Bananen ausgegeben hatte, konnten wir weiterfahren.
Es regnete weiter, wir holperten, wie mittlerweile gewohnt, über die Straße, als unser Fahrer plötzlich anhält - Große Aufregung! Hartmuts - nebenbei bemerkt übervoller - Koffer war aus dem fahrenden Auto gefallen, da sich die Tür geöffnet hatte!
Gott sei Dank war er dem Motorradfahrer, der ihn natürlich sofort aufgeladen hatte, viel zu schwer, sodass wir ihn sogar ohne größere Macken wieder zurückgebracht bekamen und einladen konnten, diesmal doppelt gesichert.
Ohne weitere Vorfälle trafen wir in Kampala im Backpackers Hostel ein und bezogen unsere Zimmer.
Auf dem Sofa und einem Stuhl und dem Fernsehtisch, den Hilrich mal eben in die Mitte des sonst leeren Raums stellte, hatten wir eine leckere Zwischenmahlzeit mit Weißbrot, Margarine und Almuths Bananen. Hartmut ging natürlich erst einmal seinen Geldgeschichten nach und kam deshalb etwas später.
Nun haben wir zu Abend gegessen (Burger und Chips) und diskutieren munter in der Runde über die Themen: Schwule und Lesben, Gleichberechtigung von Männern und Frauen allgemein und andere mehr oder weniger wichtige Dinge, die uns beschäftigen.


20.10.08 Abflug Entebbe

Gefrühstückt haben wir im Hostel. Danach gab es noch eine letzte Gesprächsrunde bzw. die Abschlussrunde. Danach wurden noch die letzten Sachen gepackt und um halb 11 war unser Fahrer schon da.
Nachdem die Trommeln neu verpackt waren, wurde das Gepäck verstaut, diesmal nicht im Kofferraum, damit nicht noch einmal ein Unglück mit den Koffern während des Fahrens geschieht.
Wir fuhren etwa eine Stunde bis nach Entebbe. Kurz vorm Flughafen wurden wir angehalten und durchsucht bzw. durch einen Metalldetektor geschickt. Unser Auto durfte unkontrolliert weiterfahren. Wie uns später erklärt wurde, kommt Präsident Mogawe heute nach Uganda.
Um kurz vor 12 waren wir am Flughafen. Es wurde noch ein Bild mit dem Fahrer gemacht.
Im Flughafen wurde unser Gepäck sofort am Eingang zum ersten Mal durchgecheckt. Dann gings noch einmal ins Flughafen-Restaurant. Wir veranstalteten eine Riesensauerei mit Michaels Astronautenfutter und aßen Chips.
Dann wurden die Koffer aufgegeben. Hartmut hatte - so wie letztes Mal - 10 Kilo zu viel. Aber daran schien sich niemand zu stören.
Als der Flug aufgerufen wurde, hatten wir alle noch Wasser übrig, was kurzerhand im Abfall landete.
So gegen Viertel nach 4 startete der Flieger dann auch. Wie schon auf dem Hinflug legten wir einen Zwischenstopp ein Addis Abeba ein. Nach ca. 1 Stunde ging es dann wieter in Richtung Dubai.
Jetzt sitzen wir hier im Flugzeug, kommen zu Hause mit jeder Minute näher und freuen uns darauf.


21.10.08 Letzter Tag, Heimfahrt und (hoffentlich) Ankunft zu Hause

Der Tag begann früh für uns, so früh, wie noch nie. Um ca. 00.15Uhr kamen wir in Dubai an. Wir waren schon alle recht müde, aber froh, dass alles gut abgegangen war. Danke, dass es so gute Piloten gibt!
Der Bus schaukelt uns zum Terminal. An den Gesichtern ist nicht allzu viel Lust zu einer nächtlichen Dubaifahrt abzulesen. Zum Glück traut sich niemand auszusprechen: „Lasst uns doch hierbleiben.", nachdem Hartmut uns informiert hat: Wir brauchen kein Visum für die Stadt.
Die lange Menschenschlange am Ausgang will uns fast den Mut nehmen. Doch nachdem wir uns eingereiht haben, wird sie erstaunlicherweise immer noch länger. Wahnsinn, welch ein Betrieb hier mitten in der Nacht herrscht. Es ist alles voller Menschen.
Erstaunlicherweise sind wir in ca. ½ Stunde durch und auch ziemlich schnell bei den Taxen. Auch hier: Alles voller Menschen. Es fahren keine Busse und keine Bahn. Hartmut in seiner unermüdlichen Art organisiert ein Taxi mit seinen angeblich letzten 60 Dollar. Der Fahrer will uns dafür durch die Stadt fahren. Wir freuen uns, in einem tollen, gut gefederten Auto zu sitzen. Es wird eine wunderbare Fahrt, Dubai bei Nacht. Um ca. 1.30Uhr geht's los und um 3Uhr sind wir zurück. Hassan zeigt uns die tollsten Gebäude und Hotels. In der Nacht wirkt die Stadt mit der Beleuchtung besonders. Sehr stolz ist er auf den 800m hohen Dubai Tower, das höchste Gebäude der Welt. Man hält es sich offen, weiter zu bauen, falls irgendwo ein gleich hoher Turm oder höherer entstehen würde. Dann, das gerade fertig gestellte Hotel Atlantis, von dem er noch keine Preise weiß. Im Gegensatz zum Burj el Arab, in dem eine Übernachtung zwischen 3 000 und 10 000 Euro kostet. Wir haben es nach reichlicher Überlegung nicht gemacht. Würden stattdessen nächstes Mal lieber einen Coffee dort trinken. Auf dem Hubschrauberlandeplatz spielte mal Agassi für eine Werbung Tennis.
Hassan ließ uns immer mal an diesen Stellen aussteigen und fragte, ob es für uns ein enjoyment wäre. Als alle etwas stiller, weil müde, wurden, rief er ganz laut: „Are you happy?"
Warum merkten wir, als wir am Ende ausstiegen. Er war nicht mehr mit nur 60 Dollar einverstanden. Hilrich setzte sich schnell ab, so rückte ich noch 10 Euro raus. Das passte ihm dann.
Wir schlichen durch die Hallen, nach erneutem Einchecken. Fast hätten wir den Platz, an dem wir uns dann niedergelassen haben zum schlafen, nicht mehr erreicht. Wir fielen nur so um und fühlten uns in der letzten Nacht unserer Reise wie Straßenkinder. Es war eine besondere Erfahrung und Michael pflichtete im Bad einem Deutschen zu, der meinte, das wäre ja wohl unmöglich, dass die Leute einfach so da rumliegen würden. Er zog es vor, sich nicht zu outen.
So ganz besonders war die Stimmung nach dem Aufwachen nicht.
Nun allerdings nähern wir uns nach einem wunderbaren Flug allen Herz- und Hausallerliebsten.
Nach einer guten Landung stand Michael schon als Erster startbereit. Nur leider mussten wir warten, bis wir endlich aussteigen und durch die Sperre konnten, d. h., die Koffer ließen auf sich warten. Doch sie kamen, allerdings ohne die Trommeln. Das nahm noch etwas Zeit in Anspruch. Während der Zeit hatte aber Susi schon ihren Michael, Jenny ihren Papa und Hilrich seine Tochter mit Enkelin und Schwiegersohn, samt Trauernachricht gefunden. Isa, Hartmut und ich kamen etwas später dran.
Jennys Papa fuhr uns wohlgemut nach Uckersdorf. Dort wurde uns ein toller Empfang im Gemeindehaus bereitet, von allen Hinterbliebenen.
Das war super, mit Kaffee, Tee von Herrn Heuser zubereitet, Kuchen und Zwiebelkuchen.
Nachdem auch die letzten Angehörigen eingetroffen waren, wollte Jenny schon flüchten. Das gelang ihr nicht. Denn erst fand noch der gebührende Abschluss statt. Mit Kurzbericht und Dank an Gott für alles Bewahren. Und Dank für den schönen Empfang.
Es war eine wunderbare, reiche Zeit, die wir hoffentlich nie vergessen werden und die uns vorerst noch lange beschäftigen wird.