Wüstenzeiten - Fastenzeiten
Die Wüsten
Die Wüsten in Palästina sind meist keine Sandwüsten. Es sind in der Regel Zwerg-buschwüsten, mit Kalkboden und einer dünnen Humusschicht. Dort wachsen wenig Pflanzen, Wasser ist knapp.
Bekannt ist
Syrisch-arabische Wüste im Osten
Sinaiwüste im Süden
Die Wüste spielt in der Bibel immer wieder eine Rolle. Sie ist der Ort, wo Wüsten-wanderungen stattgefunden haben und gilt auch als Ort des Rückzugs.
Jesus selbst ging in die Wüste, um sich zurückzuziehen. Vielleicht hatte er manchmal auch die Nase voll von den vielen Leuten und dem ganzen Trubel, der jeden Tag stattgefunden hat.
Wenn Jesus auf der einen Seite ganz Mensch war, dann hatte er auch ähnliche Gedanken wie wir und auch ähnliche Gefühle.
Letzte Woche sprach ich z.B. Jugendlichen aus unserem Teenkreis darüber, wie es ihnen geht.
Sie sagten:
„Immer nur das gleiche, immer die gleichen Gesichter in der Schule. Manchmal gehen mir die Gesichter total auf den Keks. Dann bekomme ich richtig Hass auf die Leute, obwohl sie mir gar nichts getan haben. Und was die immer für ein dusseliges Zeug reden. Das nervt mich so dermaßen. Ich kann es nicht mehr hören. Ja, das ödet mich an, man sieht immer die gleichen, und überhaupt läuft alles immer im gleichen Trott ab. Das ist manchmal ganz schön langweilig.“
Mir kam nach diesem Gespräch der Gedanke, wie es Jesus wohl manchmal ergangen ist. Wenn er wirklich manchmal ähnlich dachte und fühlte, dann ging es ihm vielleicht manchmal auch ganz schön auf den Keks, immer die gleichen Leute zu sehen. Einige waren ja sehr begeistert von ihm, was er sagte und tat und folgten ihm nach. Das ist auch schön, aber vielleicht hat Jesus auch mal gedacht: „Ich heute einfach keinen Nerv, mich mit Leuten zu treffen oder mich mit den Pharisäern rumzuschlagen. Sie suchen förmlich immer nach Themen, über die sie sich mit mir anlegen wollen. Hab keine Lust darauf. Ich will sie heute nicht sehen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Jesus dann in die Wüste zurückgezogen hat. Das war ja nicht unbedingt weit weg – ein Katzensprung – und schwups ist er in der Einsamkeit.
In 1,5 Wochen ist Ostern. Im Moment befinden wir uns noch in der Fastenzeit. Warum erzähl ich euch in der Fastenzeit von Jesus und der Wüste und Menschen, die sich auf den Keks gehen?
Ich sag´s euch:
Jesus ist vor Ostern in die Wüste gegangen, um sich zurückzuziehen. Er wollte allein sein. Weg von allen anderen Leuten, von dem Alltag. Er wollte sich auf das Wesentliche konzentrieren. Ihm stand eine Kreuzigung bevor. Es ging um seinen Tod. Er hatte Angst. Jesus ist einen Weg gegangen aus Überzeugung, aus dem
Glauben heraus und in tiefster Verbindung mit seinem Vater. Und nun soll er sterben, damit alle Menschen erlöst werden. Durch seinen Tod sollen alle Menschen immer
wieder die Möglichkeit haben, mit Gott in Kontakt zu treten, auch über den Tod hinaus. Er ist quasi der Retter der Menschen. Kein Pappenstiel. Wahnsinns Aufgabe.
Da brauchst du schon ganz viel Vertrauen und ganz viel Nähe zu Gott, sonst gehst du unter. Und Jesus hat gekämpft, hat gebetet und wäre sicher froh gewesen, wenn dieser Kelch an ihm vorübergegangen wäre. Aber er ist nicht davongelaufen.
Er brauchte auch den Kontakt zu Gott und der inneren Gewissheit, dass sein Weg der Richtige für ihn ist.
In der Wüste hast du die Gelegenheit, dich von allem zu befreien und dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dort hast du die Chance mit dir selbst in Kontakt zu kommen, gerade wenn es schwierig ist, und dich zu fragen:
“Was will ich?“
„Wie geht es mir?“
„Was wirbelt mich herum?“
„Wer nervt mich?“
Liebe Grüße
Eure Barbara
